Professur für Medical Humanities

Die Professur für Medical Humanities an der Charité Berlin soll die vielfältigen Herausforderungen einer „Wissenschaft in Verantwortung“ thematisieren und das Bewusstsein für verantwortungsbewusstes Handeln in medizinischer Praxis, Forschung und Lehre schärfen. Anfang Oktober 2015 wurde sie als erste Professur für Medical Humanities in Deutschland eingerichtet und mit Heinz-Peter Schmiedebach besetzt. Sie ist als Stiftungsgastprofessur für zwei Jahre mit Unterstützung der Friede-Springer-Stiftung geschaffen worden. Die Aufgaben dieser Professur sind vielfältig.

Erstens sollen auf dem Gelände des Campus Mitte mit Hilfe einer Arbeitsgruppe, der auch Angehörige der Universität der Künste angehören, verschiedene Möglichkeiten geschaffen werden, die dem Gedenken an die Verbrechen und die Opfer der Medizin in der Vergangenheit und im Nationalsozialismus Raum einräumen, aber auch Informationen vermitteln und das Nachdenken über eine Wissenschaft in Verantwortung fördern. Dieser Gedenkort wird aus einem dezentralen Parcours bestehen, der einzelne bemerkenswerte Stellen auf dem Gelände heraushebt und aus einem zentralen Ort, der ausführlichere Auseinandersetzungen mit den dezentral angesprochenen Fragen ermöglicht und besonders auch Fragen der gegenwärtigen und zukünftigen Medizin thematisiert. Zudem sollen in einem eigenen „showroom“ die Geschehnisse der Vergangenheit durch virtuelle Aufbereitung dargestellt und die Fragen der Zukunft angesprochen werden. Dabei gewährleisten verschiedenste Formate der Information, Kommunikation und Diskussion eine dauernde Aktualisierung und Anpassung an neue Erkenntnisse.

Zweitens wird dieser Prozess der Gestaltung des GeDenkOrtes von vielfältigen Aktivitäten, wie besonderen  Vorlesungen, Tagungen, Theateraufführungen, Filmvorführungen und anderen Veranstaltungen zu dem Thema einer Wissenschaft in Verantwortung begleitet.

Drittens geht es darum, Inhalte der Medical Humanities in der Lehre zu verankern. Das Konzept basiert auf der Erkenntnis, dass die Medizin selbst wie auch Ärzte und Patienten in ihrem Umgang mit Krankheit und Gesundheit von sozialen und kulturellen Komponenten bestimmt sind. Die Auseinandersetzung über diese Einflussgrößen soll auch humane und moralische Ressourcen im Umgang mit Krankheit und Gesundheit erschließen helfen. Das Bewusstmachen und Erörtern dieser Komponenten ist gemeinsam mit Vertretern der Ethik, der Kunst-, Geschichts-, Geistes-, Rechts-, Kultur- und Sozialwissenschaften umzusetzen. Einzelne Lehrveranstaltungen, die dieser Multiperspektivität Rechnung tragen, werden bereits angeboten.

Seit November 2015 besteht bereits eine studentische Arbeitsgruppe, die außerhalb des Curriculums mit eigenen Projekten die Frage einer Wissenschaft in Verantwortung thematisiert. Dabei werden insbesondere die in dieser Gruppe interessierenden Fragen auf vielfältige, auch manchmal überraschende Weise behandelt und zur weiteren Diskussion auf der homepage des GeDenkOrts präsentiert.