Portrait Paul Fraenckel | © Humboldt-Universität zu Berlin, Universitätsbibliothek

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Paul Fraenckel

Paul Fraenckel, (Neapel 1874 - 1941 Berlin), nach ärztlicher Weiterbildung an der Medizinischen Universitätsklinik in Göttingen, der II. Medizinischen Klinik der Charité und der Unterrichtsanstalt für Staatsarzneikunde der Universität Berlin Habilitation 1909, seit 1914 Professor, 1914-1919 Stabsarzt im Ersten Weltkrieg, Gerichtsarzt beim Berliner Polizeipräsidenten, 1921 ao. Professor und 1929/30 kommissarischer Leiter des Instituts für gerichtliche Medizin der Berliner Universität, Nachfolger von Fritz Strassmann als dessen bedeutendster Schüler. Sein Forschungsschwerpunkt waren die physikalisch-chemischen Eigenschaften des Blutes insbesondere nach Vergiftungen. Mitherausgeber der Deutschen Zeitschrift für die gesamte gerichtliche Medizin. 1933 wurde er als Jude aus dem Amt entfernt, 1935 folgte die Entziehung der Lehrbefugnis. Aus Altersgründen emigrierte er nicht. Er notierte Anfang September 1941: „Das ertrage ich nicht – den gelben Davidsstern auf der Brust! Es ist der gefürchtete Keulenschlag, den ich doch immer noch nicht für möglich halten wollte, obwohl vieles darauf hinwies. Er zerstört die letzte Freiheit der Bewegung.“ und vergiftete sich kurz vor Inkrafttreten der Verordnung, die ihn zum Tragen des Judensterns verpflichtet hätte.

(Text: Udo Schagen, 2013)