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01.07.2014

Gedenksäulen zu Charité-Vertriebenen an den Campi Benjamin Franklin und Virchow-Klinikum

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Die Charité hat die vor dem Lehr- und Forschungsgebäude CharitéCrossOver am Campus Charité Mitte aufgestellten Gedenksäulen jetzt auch an den Campi Benjamin Franklin und Virchow-Klinikum aufstellen können.

Sie stehen am Campus Benjamin Franklin im Westeingang des Klinikums, Eingang Hindenburgdamm, und am Campus Virchow-Klinikum im Lehrgebäude, Forum 3.

Die zum Themenjahr "Zerstörte Vielfalt" in Berlin für die Charité entstandenen Säulen zum Gedenken ihrer im Nationalsozialismus vertriebenen und zu Tode gekommenen Mitarbeiter, Ärzte und Wissenschaftler werden damit auch den Mitarbeitern, Studenten und Besuchern der Campi in Steglitz und im Wedding direkt zugänglich.

Auf der ersten Gedenksäule wird ein Überblick zu den vielen Verfolgten mit einer Liste ihrer Namen und ein Einblick in ihre Schicksale gegeben. Bisher sind über 180 Charité-Mitarbeiter namentlich bekannt, die 1933 und danach vertrieben wurden. Mindestens neunzehn wurden ermordet oder verübten in der Folge Suizid.

Exemplarisch wird auf der zweiten Säule eingehender auf sechs Biographien eingegangen, es sind: Moritz Borchardt (Berlin 1868–1948 Buenos Aires), Wilhelm S. Feldberg (Hamburg 1900–1993 London), Heinrich Finkelstein (Leipzig 1865–1942 Santiago de Chile), Paul Fraenckel (Neapel 1874–1941 Berlin), Paul Lazarus (Czernowitz 1873–1957 Locarno), Elisabeth Wucke (Potsdam 1894–??).

Die Großstadt und ihre Universität – die größte des Deutschen Reiches – hatte schon im 19. Jahrhundert ermöglicht, dass jüdische Studenten aus deutschen und europäischen Ländern hier studieren und einen Einstieg in akademische Berufe finden konnten. Insbesondere das Medizinstudium war für Kinder jüdischer Eltern attraktiv, da es eine Berufstätigkeit unabhängig von einer Anstellung in beamteten Staatsdiensten ermöglichte. Sie waren in eigenen Praxen oder als Assistenzärzte in Krankenhäusern und der Universitätsklinik tätig. Der Weg in eine verbeamtete Professur gelang nur ausnahmsweise, doch zahlreiche jüdische Mediziner wurden zu außerordentlichen Professoren ernannt. Viele von ihnen verließen aufgrund von rassistischen Anfeindungen die medizinischen Lehr- und Forschungsinstitute bereits Ende der 20-er, Anfang der 30-er Jahre, lehrten aber weiter an der Hochschule.

Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten im Januar 1933 traf das Berufsbeamtengesetz vom April 1933 diese Ärzte und andere Mitarbeiter sowohl mit rassistischer wie mit politischer Begründung. Unabhängig davon, ob sie in fester oder nur lockerer Bindung an orthodoxe oder reformierte jüdische Gemeinden lebten oder sich für eine christliche Konfession entschieden hatten, verurteilten die Rassegesetze sie in einem ersten Schritt zum Verlust der Anstellung. In weiteren Schritten folgten der Entzug der Lehrbefugnis und die Aufgabe der ärztlichen Tätigkeit. Tausende Menschen mussten ins Exil, in Länder, wo sie oft nur unter schwierigsten Bedingungen Aufnahme fanden. Sie gingen nach Palästina, England, die Niederlande, nach Frankreich, in die USA, die Sowjetunion bis hin nach China, Argentinien, Chile und Mexiko. Viele der verfolgten Mitarbeiter konnten sich nicht rechtzeitig zur Emigration entschließen oder ihnen fehlten die Mittel dazu. Sie wurden in die Konzentrationslager deportiert und fanden mit ihren Familien den Tod.

Alle Texte, Bilder und zahlreiche weitere Informationen sind auf der Webseite zum Projekt "GeDenkOrt.Charité" zu finden.

Kontakt

Dr. Udo Schagen

Gastwissenschaftler MedizingeschichteCharitéUniversitätsmedizin Berlin
Thielallee 71
14195 Berlin

Postadresse:Thielallee 7114195 Berlin

Route / Geländeplan


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