Ernst-von-Leyden-Denkmal

An der Charité – Universitätsmedizin Berlin ist am 11.10.2019 das Denkmal für Ernst von Leyden (1832-1910) feierlich wieder aufgestellt worden.

Der Internist war von 1885 bis 1907 Direktor der I. Medizinischen Klinik der Charité. Als Hochschullehrer, Forscher, Kliniker und Wissenschaftsorganisator verschaffte er sich einen internationalen Namen und galt seinerzeit als führend auf dem Gebiet der Inneren Medizin in Deutschland. Das Denkmal von 1913 war am Ende des Zweiten Weltkriegs beschädigt worden. Anfang der 1990er-Jahre wurde es aufgrund von Baumaßnahmen eingelagert.

Sie befinden sich hier:

Ernst von Leyden, ein Kliniker von Weltruf

Portrait Ernst von Leyden, um 1900 | Quelle: ullstein bild
Portrait Ernst von Leyden, um 1900 | Quelle: ullstein bild

Ernst von Leyden, ein Kliniker von Weltruf zu seiner Zeit, verbrachte seine wichtigsten Ausbildungs- und Berufsjahre an der Charité. Seit 1876 leitete er dort als Nachfolger seines Lehrers Traube die Propädeutische und seit 1885 die I. Medizinische Klinik.

Leyden war ein so genannter Prominentenarzt, behandelte zum Beispiel Bismarck und den russischen Zaren. Gleichzeitig war er aber auch sozial engagiert, setzte sich für die Verbesserung der Krankenbetreuung, für den »Krankenkomfort« und für die Beschäftigung qualifizierten weiblichen Pflegepersonals an der Charité ein. Im Berlin der vorigen Jahrhundertwende war er einer der populärsten Vertreter der medizinischen Welt.

Mehr als 700 Veröffentlichungen belegen sein wissenschaftliches Interesse an zahlreichen Gebieten der inneren Medizin, vor allem dem der Rückenmarkserkrankungen. Was die medizinische Praxis angeht, favorisierte er »ganzheitliche« Behandlungsweisen wie Bäder, Massagen, Gymnastik, Diätetik, Elektrotherapie. Auch trat er frühzeitig für die vorbeugende Gesundheitspflege ein.

Ab den 1880er Jahren wandte sich Leyden verstärkt der Behandlung und Bekämpfung von Volkskrankheiten zu. So engagierte er sich insbesondere im Kampf gegen die Tuberkulose, die aufgrund schlechter Lebensbedingungen vor allem bei ärmeren Bevölkerungsgruppen verbreitet war. 1895 gehörte er zu den Begründern des »Zentralkomitees zur Errichtung von Lungenheilstätten in Deutschland«, das Leydens Renommee enormen Zulauf und finanzielle Mittel verdankte. Die Krebsforschung war schließlich das letzte zukunftweisende Projekt, dem sich der Kliniker verschrieb. 1903 eröffnete er die erste – wenn auch noch provisorische – Krebsabteilung der Charité. 1910 war er Mitbegründer der Zeitschrift für klinische Medizin.

Sein repräsentatives Auftreten, ein gepflegtes Äußeres und beste Umgangsformen verschafften Leyden zusätzliche Publizität. 1902 wurde sein 70. Geburtstag glanzvoll gefeiert mit zahlreichen Festveranstaltungen, zu denen in- und ausländische Delegationen anreisten.

Quelle: Denkmale berühmter Mediziner und Politiker in den Gartenanlagen des Universitätsklinikums Charité in Berlin. Historisches Gutachten im Auftrag der Senatsverwaltung für Bauen, Wohnen und Verkehr. Vorgelegt von Andrea Bergler und Christine Brecht für das Berliner Forum für Geschichte und Gegenwart e. V. im Mai 1999 / Teil 2 im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung vorgelegt von Christine Brecht im Oktober 2001.

Biographie Ernst von Leyden im Überblick

Portrait Ernst von Leyden | Quelle: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz (bpk)
Portrait Ernst von Leyden | Quelle: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz (bpk)

1832 geboren in Danzig

Medizinstudium an der »Pépinière«, der Berliner Medizinisch-chirurgischen Akademie für das Militär (seit 1818 Friedrich-Wilhelms-Institut)

1853 Promotion, Eintritt in militärärztlichen Dienst, Assistenzarzt u.a. in Düsseldorf und Königsberg

1862 Assistenzarzt an der Propädeutischen Klinik der Charité bei Ludwig Traube

1863 Habilitation für innere Medizin in Berlin

1865 Ordinarius in Königsberg

1872 Ordinarius in Straßburg

1876 Leiter der Propädeutischen Klinik der Charité, Professor an der Berliner Universität

1885–1907 Direktor der I. Medizinischen Klinik der Charité

1910 gestorben in Charlottenburg bei Berlin

Quelle: Denkmale berühmter Mediziner und Politiker in den Gartenanlagen des Universitätsklinikums Charité in Berlin. Historisches Gutachten im Auftrag der Senatsverwaltung für Bauen, Wohnen und Verkehr. Vorgelegt von Andrea Bergler und Christine Brecht für das Berliner Forum für Geschichte und Gegenwart e. V. im Mai 1999 / Teil 2 im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung vorgelegt von Christine Brecht im Oktober 2001.

Nach dem Ersten Weltkrieg geriet der einst gefeierte Pionier der Krebsforschung aufgrund der politischen Situation in Vergessenheit. Die Mitglieder des Komitees, die 1913 die Einladung zur Errichtung des Denkmals für Ernst von Leyden unterzeichnet hatten, wurden während der Naziherrschaft nach 1933 ausgegrenzt und vertrieben: Alfred Goldscheider, Georg Klemperer und Paul Lazarus. Sie gehören zu den Persönlichkeiten, denen mit dem Erinnerungsweg REMEMBER im Rahmen des Projektes GeDenkOrt.Charité, ein Denkmal gesetzt worden ist.

Ernst-von-Leyden-Denkmal

Ernst-von-Leyden-Denkmal bei der Enthüllung, 11.06.1913 | Quelle: Archiv der Humboldt-Universität: Akte Nr. 2037 der Charité-Direction (Charité-Krankenhaus) betreffend Aufstellung der Büste des Geh. Med. Rat von Leyden 1913–1917, Blatt 12
Ernst-von-Leyden-Denkmal bei der Enthüllung, 11.06.1913
Festakt zur Enthüllung des Ernst-von-Leyden-Denkmals am 11.06.1913 vor der I. Medizinischen Klinik, Quelle: Archiv der Humboldt-Universität: Akte Nr. 2037 der Charité-Direction (Charité-Krankenhaus) betreffend Aufstellung der Büste des Geh. Med. Rat von Leyden 1913–1917, Blatt 12
Festakt zur Enthüllung des Ernst-von-Leyden-Denkmals am 11.06.1913 vor der I. Medizinischen Klinik | Quelle für beide Abbildungen: Archiv der Humboldt-Universität: Akte Nr. 2037 der Charité-Direction (Charité-Krankenhaus) betreffend Aufstellung der Büste des Geh. Med. Rat von Leyden 1913–1917, Blatt 12

Bereits zu Lebzeiten entstanden mehrere Portraitbüsten von Ernst von Leyden: Zum 25-jährigen Professorenjubiläum, 1890, erhielt er von seinen Schülern eine Marmorbüste, zu seinem 70. Geburtstag eine zweite, die ihm von 650 Schülern und Freunden gewidmet worden war.

Nach seinem Tod wurde 1911 in der »Kaiser-Wilhelm-Akademie für das militärärztliche Bildungswesen« eine Leyden-Büste enthüllt und 1913 schließlich das Denkmal von Eugen Boermel in den Außenanlagen der Charité.

Es fand seinen Standort vor der I. Medizinischen Klinik der Charité, der ehemaligen Wirkungsstätte des Geehrten. Zum Denkmalskomitee gehörten Wilhelm His und Friedrich Kraus, die Leiter der I. und II. Medizinischen Klinik, ebenso ehemalige Schüler und Mitarbeiter, die nun vielfach leitende Positionen in den Kliniken von Berlin einnahmen.

Eugen Boermel, 1858 - 1932
Der Bildhauer Eugen Boermel studierte von 1875 bis 1879 an der Berliner Akademie bei Fritz Schaper, einem Schüler Albert Wolffs. Als Staatsstipendiat besuchte er die Meisterklasse von Reinhold Begas. Zwischen 1879 und 1889 arbeitete er im Atelier von Otto Lessing vor allem an dekorativen Bauplastiken.

Boermels große, heute meist verlorene Denkmäler standen in der Tradition der Begas-Schule. Seine freien Marmorarbeiten, die häufig märchenhafte Motive zeigen, haben einen betont malerischen Charakter.

In Berlin sind unter anderem das zwischen 1897 und 1900 entstandene Standbild Kaiser Sigismunds aus der ehemaligen Siegesallee (heute im Lapidarium Berlin) erhalten geblieben und das gegenüber dem Schloss Charlottenburg aufgestellte Denkmal Prinz Albrechts von Preußen von 1901.

Quelle: Denkmale berühmter Mediziner und Politiker in den Gartenanlagen des Universitätsklinikums Charité in Berlin. Historisches Gutachten im Auftrag der Senatsverwaltung für Bauen, Wohnen und Verkehr. Vorgelegt von Andrea Bergler und Christine Brecht für das Berliner Forum für Geschichte und Gegenwart e. V. im Mai 1999 / Teil 2 im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung vorgelegt von Christine Brecht im Oktober 2001.

Ernst-von-Leyden-Denkmal 2019, Foto: Gudath/Charité
Ernst-von-Leyden-Denkmal 2019, Foto: Gudath/Charité

Das 1913 für Ernst von Leyden errichtete Denkmal war ursprünglich rechts vom Eingang zur I.Medizinischen Klinik platziert (dort konnte es leider wegen der unterirdischen Technik und mit Rücksicht auf den inzwischen dort gepflanzten und schon stattlichen Baum nicht mehr stehen). 1913 war es das Zehnte und imposanteste von bis dato neun Denkmälern im Charité Gelände, die zumeist schon seit den 1880er Jahren entstanden waren, und mit Fertigstellung der neuen Klinikbauten Anfang des 20. Jahrhunderts – des heute denkmalgeschützten Gebäudeensembles – vor diese Kliniken umgesetzt worden waren. Erfahren Sie hier mehr über diese Denkmäler auf dem Campus Charité Mitte.

Das Denkmal war bei dem Berliner Bildhauer Eugen Boermel in Auftrag gegeben worden. Der Bronzeguß wurde von der Firma Gladenbeck in Köpenick ausgeführt. Den Granitsockel lieferte die Firma „Atelier für Grabsteinkunst A. Macher & Co.“; er ist 3,50 m hoch und wog (ohne Findling/Grundplatte) 2,25 Tonnen.

Während die Judenverfolgung durch die Nazis selbst vor den bronzenen Abbildern der jüdischen Professoren Henoch, Westphal und dem verehrten Lehrer Ernst von Leydens Ludwig Traube nicht halt machte: in einer Nacht und Nebel Aktion im Sommer 1940 wurden sie samt Sockel abgebaut („denunziert“ von Bessau, von Bergmann und de Crinis haben das sehr befürwortet) und zunächst eingelagert; 1942 (nach Aufforderung) an eine NSDAP-Sammelstelle zwecks Verwertung als Altmaterial abgeliefert – antisemitische Säuberungsaktion – überstand das Ernst-von-Leyden-Denkmal zwei Weltkriege nahezu unbeschadet – am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Porträt durch einen Einschuss über dem linken Auge beschädigt. Seit Anfang der 1990-er Jahre war das Denkmal im Rahmen der Sanierungsmaßnahmen an der Charité eingelagert.

Die Restaurierung des Denkmals konnte jetzt auf Initiative der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) und der CharitéUniversitätsmedizin Berlin, mit Unterstützung der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. (DKG), der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM) und dem Verein der Freunde und Förderer der Berliner Charité e.V. von den Restaurierungswerkstätten Haber & Brandner Metallrestaurierung sowie Diplomrestaurator Stefan Grell (Berlin) vollzogen werden.

Der „Kopfschuss“, den das Portrait am Ende des Zweiten Weltkriegs erhalten hatte, ist nach der Restaurierung bewusst sichtbar geblieben.

Bildergalerie

Prof. Dr. Cornelius Frömmel: Worte anlässlich der Wiederaufstellung der Büste von Ernst von Leyden vor der Inneren Medizin der Charité – Universitätsmedizin Berlin am 11.10.2019

Prof. Dr. Cornelius Frömmel, Vorsitzender des Vereins der Freunde und Förderer der Berliner Charité, Copyright: Gudath/Charité
Prof. Dr. Cornelius Frömmel, Vorsitzender des Vereins der Freunde und Förderer der Berliner Charité, Copyright: Gudath/Charité

Liebe Mitglieder der Familie von Leyden, liebe Anwesende,
Es erscheint mir nicht unvernünftig hier, als Vertreter des Vereins der Freunde und Förderer der Berliner Charité, bei der Wiederaufstellung der Büste Ernst von Leydens zu sprechen. Es ist mir eine Genugtuung, dass der Verein, dem ich vorstehe, etwas für die Restaurierung und Wiederaufstellung der Büste tun konnte.

Beim Nachdenken und Nachlesen über Ernst von Leyden, seinem Leben, seinen ärztlichen und wissenschaftlichen Leistungen, seinen Frustrationen, seinem Vergessenwerden sowie bei näherer Betrachtung heutiger Zeitenläufe und in Druck- und elektronischer Form verbreiterter Gedanken, die sich oft ein dünnes und löchriges Mäntelchen wissenschaftlichen Anstrichs umhängen, überfällt mich auch ein Gefühl der Scham. Dazu später mehr.

Zurück zum Hier und Heute. Ich wende mich der Frage unseres Tuns – hier - zu. Wir erinnern uns an Einen, den zu vergessen Nationalisten auf beiden Seiten einer europäischer Grenze und Faschisten auf der einen Seite derselben zu einer Pflichtübung gemacht haben. Schaut man eingehender in die Unterlagen, begegnet den Betrachter, deutsche Kultur- und Wissenschafts-geschichte, wobei der wissenschafts-verletzende, ja wissenschafts-tödliche, biologistisch und sozialdarwinistisch verfärbte  Killerinstinkt Deutscher Nation der 30er Jahre nicht verborgen bleiben kann. In der persönlichen Umgebung Ernst von Leydens finden sich u.a. Vertreter der Familie Klemperer, die in  den 12 Jahren deutschen Faschismus gelitten und ihre Heimat ebenso wie sein Schüler Paul Lazarus verloren haben, vom Arzt und Mitarbeiter Ernst von Leydens Georg Klemperer, der in den USA Asyl fand, über den Dirigenten (der ebenfalls Asyl in den USA fand) bis hin zum Romanisten Victor Klemperer (dem man die Katze, die zu seinem Haushalt in Dresden gehörte, wegnahm.  Eine deutsche Katze durfte nicht bei einem Juden zu Hause sein ....).

Unter diesem Blickwinkel: Was machen wir  nun hier? Die Antwort auf diese Frage gibt der Titel des wundervollen Romans Marcel Prousts, auf dessen deutsche Übersetzung wir national–sozialistisch bedingt auch 30 Jahre länger warten mussten. Proust hat es zwar ganz anders gemeint, aber wir sind hier „À la recherche du temps perdu“ wie wir heute bei Jule Verne (500 Millionen der indischen Prinzessin...) lernen durften auch als ‚À la recherche de la force perdu’ zu bezeichnen. Diese Zeit und Kraft, die der kulturvollen Entwicklung durch Rassisten entzogen wurden, Rassisten, die verbreiteten, dass es menschliche Rassen (wie Hunderassen) gäbe, die sich genetisch bedingt in ihrer Intelligenz und ihrer Würde unterscheiden, Sozialdarwinisten, die das Recht des Stärkeren predigten und Antisemiten, die zu Mördern wurden. Die Zeit, die verloren ging, wurde auch der Krebsforschung geraubt. Auf der Grundlage von Sozialdarwinismus und Rassismus - so können wir schluss-folgern - hat sich Deutschland schon einmal als Teil dem Humanismus verpflichteten Ländern abgeschafft. Da kann die Lehre aus  á  la recherche du temps perdu national-socialiste nur lauten: nicht noch einmal, nie und nimmer.

Und deswegen ist es unsere, meine Pflicht, jedem neudeutschen sozial-darwinistischen Möchtegernrassentheoretiker á la Thilo Sarrazin ins Wort zu fallen. Jeder, der biologistisch in Bezug auf die menschliche Gesellschaft denkt und dabei annimmt, es gäbe in der Jetztzeit hierarchisch zu ordnende menschliche Rassen, verrät Wissenschaft  und Aufklärung, den Artikel 1 des Grundgesetzes und die Hochkultur der Menschheit, zu der auch die Medizin gehört. Der Titel - und nur der Titel - des Sarrazin’schen Buches ist, ganz anders als dieser es gemeint hat, als Warnung ernst zu nehmen: „Deutschland schafft sich ab“ und zwar dann „wenn wir Rassisten und Sozialdarwinisten (wieder) auf den Leim gehen.“ Hier füge ich Sätze des Essays ‚Fouché’ von Stefan Zweig, geschrieben 1929, ein. Ich wollte es erst nicht, aber nach den Ereignissen in Halle am 9.10.2019, die ohne Zweifel ein antisemitischer Überfall war, muss ich ihn aufnehmen: „Die Schuld der ...... Revolutionäre ist also nicht, sich am Blute berauscht zu haben, sondern an den blutigen Worten ...... Ihre Handlungen müssen zwanghaft ihren tollwütigen Worten nachrennen, und ein grauenhafter Wettlauf beginnt.“

Der Schüler und Mitarbeiter von Ernst von Leyden, Prof. Paul Lazarus, schrieb nach seiner Vertreibung aus Deutschland 1950 in der Schweiz: „Es ist das traurigste Kapitel in der Geschichte der Menschheit, dass sie selbst aus ihren grauenhaftesten Katastrophen nicht die einzige Weisheit lernt: einander Gutes zu tun und darin nicht zu ermüden!“ Ich danke Ihnen.

Prof. Dr. Cornelius Frömmel
Vorsitzender des Verein der Freunde und Förderer der Berliner Charité

Die "Krebsbaracken"

Historische Postkarte
Historische Postkarte (Kunstverlag J. Goldner): Links die Pathologie, im Hintergrund die II. Medizinische Klinik, links vor der Pathologie die "Tuberkulosebaracke"; rechts die drei Baracken im Vordergrund stellen das 1903 eröffnete "Laboratorium für Krebsforschung" dar (im Vordergrund die "Frauenbaracke", in der Mitte das Labor, im Hintergrund die "Männerbaracke"), zwischen "Männerbaracke" und der II. Medizinischen Klinik befindet sich die Gärtnerei. Die Gründung der Abteilung für Krebsforschung als erstes Institut seiner Art in Deutschland erfolgte 1903 auf Initiative und unter der Schirmherrschaft von Ernst von Leyden. (Eigentum Matthias von Ostrowski, privat), zum Vergrößern bitte anklicken!
Historische Postkarte
Historische Postkarte (Kunstverlag J. Goldner): Im Vordergrund (angeschnitten) die Gärtnerei; rechts die drei Baracken stellen das 1903 eröffnete "Laboratorium für Krebsforschung" dar (hinter der Gärtnerei im Vordergrund die "Männerbaracke", in der Mitte das Labor, im Hintergrund die "Frauenbaracke"). Die Gründung der Abteilung für Krebsforschung als erstes Institut seiner Art in Deutschland erfolgte 1903 auf Initiative und unter der Schirmherrschaft von Ernst von Leyden. (Eigentum Matthias von Ostrowski, privat), zum Vergrößern bitte anklicken!

Ernst von Leyden legte den Grundstein für die systematische Krebsforschung an der Charité.

Darüber hinaus gilt der Internist als Initiator und Gründer der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (1882), als Begründer des Zentralkomitees für Krebsforschung (1900), der heutigen Deutschen Krebsgesellschaft sowie einer Internationalen Vereinigung für Krebsforschung (1908). Nach dem Ersten Weltkrieg geriet der einst gefeierte Pionier der Krebsforschung nahezu in eine allerdings politisch gewollte Vergessenheit: Zunächst boykottierten die Siegermächte nach 1918 alles, was nach deutschem Führungsanspruch aussah; nach 1933 wurde Leyden wegen seiner zahlreichen jüdischen Schüler und wegen „jüdischer Versippung“ verunglimpft.

Das in den zwanziger Jahren weltweit angesehene, von Ernst von Leyden eingerichtete Berliner Krebsinstitut (untergebracht in den sog. "Krebsbaracken") wurde von den Nationalsozialisten niedergewirtschaftet. Geradezu symbolhaft erhielt das Bronze-Denkmal Leydens im sogenannten „Endkampf von Berlin“ (April/Mai 1945) einen Einschuss in den Kopf.

Durch den neuen Standort links vom Eingang der Klinik wendet Ernst von Leyden den Blick in Richtung der einstigen „Krebsbaracken“. Eine von denen stand noch bis zur Beräumung des Areals für den Neubau des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie und des Deutschen Rheumaforschungszentrums.