Elisabeth Wucke

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© Charité, Bildarchiv Institut für die Geschichte der Medizin
Gruppenbild im Hörsaal aus der Zeit Elisabeth Wuckes | © Charité, Bildarchiv Institut für die Geschichte der Medizin

Elisabeth Wucke, (Potsdam 1894-??), seit 1913 Krankenschwester an der Universitätsfrauenklinik Artilleriestrasse (heute Tucholskystrasse), wurde als SPD-Mitglied und wegen ihrer Betriebsratstätigkeit entlassen: Es sei nicht sicher, dass sie, so der Verwaltungsdirektor am 15. August 1933, „jederzeit rückhaltlos für den nationalen Staat“ eintrete. Unter allen Klinikmitarbeitern waren nur vier SPD-Mitglieder, aber 14 von 98 Krankenschwestern, darunter auch die leitenden, waren bereits vor 1933 in der NSDAP. So befürworteten auch Ko-Schwestern, der Gauleiter persönlich und auch der die NSDAP-Anschauungen fördernde Klinikchef, Prof. Walter Stoeckel (1871-1961), ihre Entlassung. Für den ebenfalls entlassenen Pförtner setzte Stoeckel sich ein, weil er nicht antinational sei, aber nicht für Wucke: Bei „der Krankenschwester …, die … durchaus pflichttreu war und sich dienstlich nichts hat zu schulden kommen lassen“, meinte er gegenüber dem Verwaltungsdirektor, „habe ich diese Überzeugung nicht.“

Auch ihre der Not der drohenden Arbeitslosigkeit geschuldeten Bitten halfen nicht: sie habe sich weder politisch noch agitatorisch betätigt, 1932 die SPD verlassen, sie müsse ihren national denkenden Vater mit geringer Pension, einen Polizeibeamten mit 40-jähriger Dienstzeit, unterstützen, ihre Brüder seien Kriegsteilnehmer gewesen und einer sei „den Heldentod auf einem U-Boot“ gestorben. Erst 1941, wohl dem Schwesternmangel im Krieg geschuldet, fand sie eine Anstellung. Ab 1945 konnte sie wieder in der Charité arbeiten. Über ihr weiteres Leben sowie ihren Todeszeitpunkt wissen wir nichts. Auch haben wir kein Foto - auf der hier wiedergegebenen Aufnahme von 1934 unter ihren Kolleginnen und Kollegen der Frauenklinik wird sie nicht mehr sein!

(Text: Udo Schagen, 2013, nach Susanne Doetz, 2010)