Ernst Mislowitzer (Ernest Mylon)

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Ernst Mislowitzer (Ernest Mylon); © Steve Mylon, Easton/Pennsylvania/USA
Ernst Mislowitzer - Lehrbuch

Ernst Mislowitzer (1895 in Schneidemühl/Piła, 1985 New Haven) absolvierte ein Medizin- und ein Chemiestudium. 1920/21 war er bei Ernst Salkowski in der Chemischen Abteilung des Instituts für Pathologie der Charité tätig und gehörte seit Januar 1922 zum Mitarbeiterkreis von dessen Nachfolger, dem Biochemiker Peter Rona. Habilitiert mit einer Arbeit „Über Autolyse - Physiologische und pathologisch-chemische Untersuchungen“, erhielt Mislowitzer 1926 die Lehrbefugnis für das Fach Physiologische und pathologische Chemie. 1929 wechselte er als Leiter des Labors einschließlich der Forschungslaboratorien an die II. Medizinische Universitätsklinik der Charité zu Gustav von Bergmann. 1931 wurde er zum nicht beamteten a. o. Professor ernannt. Die Schwerpunkte seiner Arbeiten lagen in der klinischen Biochemie. Seine Untersuchungen bezogen sich auf die Bestimmung der Wasserstoffionen-Konzentration in Körperflüssigkeiten und die Entwicklung eines Potentiometers zur pH-Messung mit neuartigen Elektroden, für die er zwei Patente erhielt. Ferner beschäftigte er sich mit den Eigenschaften der Enzyme und der fermentativen Eiweißspaltung.

Im März 1933 erkennt Mislowitzer, dass ihm wegen seiner jüdischen Herkunft die Entlassung aus der Berliner Universitätsklinik droht. Im Mai 1933 begibt er sich nach Frankreich und versucht dort, eine Arbeitsmöglichkeit zu finden. Im Herbst emigriert er mit seiner Ehefrau, seiner 5-jährigen Tochter und seinem 2-jährigen Sohn nach Jugoslawien und übernimmt zum 1. Oktober 1933 gemeinsam mit Ferdinand Blumenthal (s. GeDenkOrt) eine Gastprofessur an der Belgrader Universität. Er hält Vorlesungen über Biochemie und Tumorerkrankungen, ist in einer Ambulanz für an Krebs erkrankten Patienten tätig und beteiligt sich an Planungen für ein Belgrader Institut für Krebsforschung. Mit dem 9. April 1935 wird ihm nach § 18 der Reichs-Habilitationsordnung die Lehrbefugnis durch die NS-Behörden entzogen. 1938 emigriert Mislowitzer gemeinsam mit seiner Familie in die USA. Dort nahm er den Namen Ernest Mylon an. In New Haven kann er durch Unterstützung von Milton C. Winternitz im Department of Pathology der Yale Universität tätig sein. Später arbeitet er bis 1963 als Leitender Pathologe am Lawrence and Memorial Hospital in New London / Connecticut. In seinem Arbeitsgebiet der klinischen Chemie bleibt er zwischen 1945 und 1960 publizistisch aktiv; so veröffentlichte er u. a. fluorometrische Studien zu den Epinephrinen im Plasma und seine Arbeiten zum Nachweis von Renin in angesehenen amerikanischen Wissenschafts-journalen.

Ernest Mylon starb am 15. Oktober 1985 in New Haven. An der Yale Universität erinnert „The Professor Ernest Mylon and Hildegard Mylon Scholarship Fund“ an Ernst Mislowitzer und seine Ehefrau.

Text: Harro Jenss, 2015; Email: h.jenss(at)gmx.de