Franz Blumenthal

Sie befinden sich hier:

Franz Blumenthal 1940 in den USA. © Familienarchiv Frank Blumenthal, MD, Ann Arbor

Franz Blumenthal (Berlin 18781971 Ann Arbor/USA). Fachärztliche Ausbildung in der Universitäts-Hautklinik der Charité bei Edmund Lesser. Er wurde 1919 habilitiert, 1922 zum a.o. Professor ernannt und leitete die Klinik von 1929 bis 1932 kommissarisch. Seit 1930 war er auch Ärztlicher Direktor der Heilstätte für Hauttuberkulose ("Lupusheilstätte") in Müncheberg/Mark in Brandenburg.

Seine Hauptarbeitsgebiete lagen auf dem Gebiet der Serologie (Lues, klinische Verwertbarkeit der Wassermannschen Reaktion), der Mykologie (Immunitätsvorgänge bei der Trichophytie), der Strahlentherapie bei Hauterkrankungen, der Ekzemforschung sowie der Lichttherapie und der Hauttuberkulose. Frühzeitig widmete er sich den Berufsdermatosen, deren Begutachtung und sozialhygienischen Aspekten. Seine beiden Bücher "Strahlentherapie von Hautkrankheiten" und "Ekzem und Idiosynkrasie", letzteres gemeinsam mit Kaete Jaffé publiziert, waren zum Zeitpunkt ihres Erscheinens wegweisend. Im bedeutenden Handbuch der Haut- und Geschlechtskrankheiten (1929) von Josef Jadassohn verfasste Blumenthal unter Mitarbeit von Asta von Mallinckrodt-Haupt das Kapitel über die Serodiagnostik der Lues. Als Jude musste Blumenthal bereits im April 1933 neben anderen den Vorstand der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) verlassen. Am 5. September 1933 wurde ihm die Lehrbefugnis an der Berliner Universität entzogen.

1934 emigrierten Franz Blumenthal und seine Frau Margarethe, geb. Orenstein, mit ihren Söhnen, vier und 13 Jahre alt, in die USA. Dort zunächst Research Professor am Department of Dermatology, University of Michigan Medical School, in Ann Arbor, und seit 1937 Leiter der Hautklinik am Wayne County General Hospital in Detroit. Bis ins hohe Alter führte er eine private Hautarztpraxis. Er starb 93-jährig am 7. September 1971.

Sein Bruder Hans Blumenthal starb im November 1942 im Ghetto Theresienstadt, seine Schwester Katharina Buss-Blumenthal wurde im August 1942 in Auschwitz ermordet, ein weiterer Bruder, der Krebsforscher Ferdinand Blumenthal, wurde im Juli 1941 durch einen Fliegerangriff der Deutschen Wehrmacht in Estland getötet.

(Text: Harro Jenss, 2015)

Fundstück

Wegweisendes Lehrbuch Blumenthals mit Widmung für seinen früheren Lehrer, den Dermatologen Erich Hoffmann (1868–1959), Bonn, © Kölner Zentralbibliothek für Medizin