Otto Krayer

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Otto Krayer | © Bildarchiv Institut für Geschichte der Medizin, Universitätsmedizin Berlin
Otto Krayer | © Bildarchiv Institut für Geschichte der Medizin, Universitätsmedizin Berlin

Krayer, Otto (Köndringen/Freiburg i. Br. 1899-1982 Tucson/USA), ao Professor und kommissarischer Direktor des Institutes für Pharmakologie der Universität Berlin.

Im Sommer 1933 hatte Krayer einen Ruf auf den Pharmakologie-Lehrstuhl in Düsseldorf erhalten, dessen Inhaber als Jude vertrieben worden war. Der erst 34jährige Krayer lehnte den Ruf ohne Zögern ab. Kein anderer Wissenschaftler hatte der Verlockung, einen durch Vertreibung frei gewordenen Lehrstuhl zu übernehmen, widerstanden oder in diesem Zusammenhang Protest angemeldet. Der Kernsatz aus Krayers Begründung an das von Nationalsozialisten geführte Preußische Wissenschaftsministerium lautet: „Abgesehen von unwichtigen sachlichen Erwägungen war der Hauptgrund meines Zögerns der, dass ich die Ausschaltung der jüdischen Wissenschaftler als ein Unrecht empfinde, dessen Notwendigkeit ich nicht einsehen kann, da sie, wie mir scheint, mit ausserhalb der Sphäre der Wissenschaft liegenden Gründen gestützt wird.“ Ein unmittelbares Arbeitsverbot war die Folge.

Krayer verließ Ende 1933 Deutschland und entschied sich für befristete Arbeitsverhältnisse in London, zum Aufbau der Amerikanischen Universität in Beirut/Libanon und 1937 in den USA, bevor er ab 1939 unbefristete an der Harvard-University in Boston arbeiten konnte. Schon 1933 hatte er mit Wilhelm Feldberg (1900-1993) nachweisen können, dass die Abgabe von Azetylcholin aus dem Herzen bei Reizung des parasympathischen Nervensystems erfolgt. 1951, als auch das letzte Mißtrauen gegen Angehörige des ehemaligen Kriegsgegners Deutschland gewichen war, wurde er endlich auch Full Professor of Pharmacology.

Er gilt aufgrund seiner innovativen Lehre und seiner herausragenden Beiträge zur Erforschung der Pharmakologie des Herz-Kreislauf-Systems als einer der größten in der langen Tradition der physiologischen Pharmakologen.

(Text: Udo Schagen, 2013)

Fundstücke

Otto Krayer | © Bildarchiv Institut für Geschichte der Medizin, Universitätsmedizin Berlin
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