Rahel Hirsch

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Foto Rahel Hirsch, © bildbasis.de
Rahel Hirsch | © bildbasis.de

Rahel Hirsch (Frankfurt/M. 1870 – 1953 bei London). Aus einer Rabbiner-Familie stammend legte sie 1889 zunächst das Examen am Lehrerinnenseminar Wiesbaden ab. Im Gegensatz zu anderen Ländern war im Deutschen Reich ein Medizinstudium für Frauen noch nicht möglich. Sie begann deshalb 1899 in Zürich Medizin zu studieren, konnte ihr Studium aber später in Leipzig und Strassburg fortsetzen und erhielt 1903 den Medizinischen Doktorgrad.

Der Direktor der Klinik, Friedrich Kraus (1858 – 1936), stellte sie als Assistenzärztin in der II. Medizinischen Klinik der Berliner Universität in der Charité ein, obwohl diese damals noch Militärhospital und vom Militär stark geprägt war. Sie war damit die zweite in der Charité angestellte Ärztin in der Geschichte des Krankenhauses.

1906 wies Rahel Hirsch das Vorkommen von Stärkekörnern in Blut und Urin nach, eine Entdeckung, die lange in Vergessenheit geraten, erst seit 1957 Anerkennung fand und in die Literatur einging (Hirsch-Effekt).

Rahel Hirsch im Kreis von Kollegen im Arbeitszimmer des Direktors der II. Medizinischen Klinik, Friedrich Kraus | © Charité | (Bitte anklicken zum Vergrößern!)
Rahel Hirsch im Kreis von Kollegen im Arbeitszimmer des Direktors der II. Medizinischen Klinik, Friedrich Kraus | © Charité | (Bitte anklicken zum Vergrößern!)

Ab 1908 leitete Rahel Hirsch die Poliklinik. 1913 erhielt sie als erste Ärztin in Preußen den Titel "Professor"; allerdings war damit keine Lehrerlaubnis verbunden. 1918, nach Rückkehr des jüngeren Theodor Brugsch aus dem Weltkrieg, wurde ihr als Frau und Jüdin die Leitung der Poliklinik entzogen. Sie schied aus der Charité aus und ließ sich in eigener internistischer Praxis in Berlin-Charlottenburg nieder - erfolgreich. 1913 war schon ihre Schrift „Körperkultur der Frau“ gegen damalige Vorurteile der Medizin für die körperliche Betätigung der Frau und für natürliche Bekleidung erschienen. 1914 wies sie in „Unfall und innere Medizin“ ihre profunde Kenntnis gutachterlicher Fragen nach.

Mit Beginn der Verfolgung von Juden wurden ihre beruflichen Möglichkeiten schrittweise eingeschränkt (s. Erläuterung zu „Zerstörte Vielfalt“ in der Charité) - bis zum Entzug der Approbation 1938. Wenige Monate später, kurz vor den Verfolgungsmaßnahmen des 9./10. Novembers (der sog. „Reichskristallnacht“), erfuhr sie, dass ihre Verhaftung drohte. Ihr gelang die unmittelbare Flucht nach England, wo die 68-Jährige das medizinische Examen erneut hätte machen müssen, um als Ärztin arbeiten zu können. Sie lebte von der Arbeit in einem Labor und von Übersetzungen und litt schwer an der Verfolgung, der Flucht und ihrer Situation. Wie Zeitzeugen berichteten, wurde sie „melancholisch“ und musste wegen „Wahnvorstellungen“ und „Verfolgungsängsten“ in ein „mental house“ gebracht werden, wo sie später erkrankte und 83-jährig starb.

(Text: Udo Schagen, 28. Oktober 2013)

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Denkmal

Denkmal Rahel Hirsch am Campus Charité Mitte, 2013, © Charité / Wiebke Peitz, (Bitte anklicken zum Vergrößern!)
Denkmal Rahel Hirsch am Campus Charité Mitte, 2013, © Charité / W. Peitz
Foto: Denkmal Rahel Hirsch auf dem Campus Charité Mitte
Rahel Hirsch Denkmal, © Charité / Wiebke Peitz
Foto: Denkmal Rahel Hirsch auf dem Campus Charité Mitte
Denkmal Rahel Hirsch auf dem Campus Charité Mitte, © Charité / Wiebke Peitz

Rahel Hirsch Denkmal auf dem Campus Charité Mitte. Mehr...