Selmar Aschheim

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Selmar Aschheim | © Bildarchiv Institut für Geschichte der Medizin, Universitätsmedizin Berlin
Selmar Aschheim | © Bildarchiv Institut für Geschichte der Medizin, Universitätsmedizin Berlin

Selmar Aschheim (Berlin 1878–1965 Paris) arbeitete seit 1908 im biologisch-histologischen Labor der Charité-Frauenklinik bei Robert Meyer (1864–1947), wurde dort dessen Nachfolger und bald auch Leiter der Gynäkologischen Poliklinik.

Gemeinsam mit dem später ebenfalls vertriebenen, nach Palästina emigrierten Gynäkologen Bernhard Zondek (1891–1966), 1933 Chefarzt am Städt. Krankenhaus Spandau, entdeckte er das Hormon schwangerer Frauen im Urin, entwickelte den ersten zuverlässigen Schwangerschaftstest, über lange Jahrzehnte und weltweit als Aschheim-Zondek-Reaktion angewandt, und legte die Grundlagen unseres Wissens der Keimdrüsenhormone.

Nach Meinung des Nobelkomitees sollte den beiden 1931 der Preis für ihre Entdeckungen zur Bedeutung der vorderen Hypophysenabschnitte für die Sexualfunktionen und die Schwangerschaftsreaktionen zuerkannt werden, die Nobelversammlung entschied aber dann für Otto Warburg (1883–1970).

Selmar Aschheim | © Bildarchiv Institut für Geschichte der Medizin, Universitätsmedizin Berlin
Selmar Aschheim | © Bildarchiv Institut für Geschichte der Medizin, Universitätsmedizin Berlin

1931 Honorarprofessor. 1933 wegen seiner jüdischen Herkunft und „politischer Unzuverlässigkeit“ entlassen, floh er 1937 nach Frankreich. Nach der deutschen Besetzung überlebte er im Untergrund, wurde französischer Staatsbürger und nach dem Krieg Directeur de Recherche im Centre National de la Recherche Scientifique im Pariser Hôpital Beaujon.

(Text: Udo Schagen, 2013)