Das Bild zeigt einen Teil des Vorplatzes Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Nervenheilkunde am Campus Charité Mitte.
GeDenkOrt.Charité: Vorplatz Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Nervenheilkunde am Campus Charité Mitte, Foto: Maren Bredereck / Charité

Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Neurologie

Psychiatrie und Neurologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben in herausragender Weise die Entwicklung ihrer Fachgebiete mitbestimmt und in ihrer über 200-jährigen Geschichte bedeutende Ärztinnen und Ärzte hervorgebracht.

Festzustellen ist aber auch, dass sich in der Zeit des Nationalsozialismus wichtige Vertreter der Klinik an Medizin-Verbrechen beteiligten.

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Foto der Hörsaalgalerie im Hörsaal der Psychiatrischen und Nervenklinik der Charité, 2013
Foto der Hörsaalgalerie im Hörsaal der Psychiatrischen und Nervenklinik der Charité | © Charité / Ulrike Kluge

Vor dem Hintergrund dieser Vergangenheit, die immer wieder auch zu kontroversen Diskussionen im Hinblick auf den Umgang mit der Geschichte der Klinik, ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie ihren Patientinnen und Patienten führte, wurden 2008 Hörsaal und Foyer der heutigen Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Neurologie umgestaltet. Vorangegangen war ein intensiver Meinungsaustausch im Internationalen Beirat des Vereins zur Geschichte der Psychiatrie an der Berliner Charité e.V. Sein Ziel war es, die Geschichte der Psychiatrie an der Charité gerade auch für die Zeit des Nationalsozialismus angemessen darzustellen.

Im April 2008 wurde mit einem kleinen Akt eine Arbeit von Dorothea Buck eingeweiht: einer Künstlerin, die in der Zeit des Nationalsozialismus Opfer der Zwangssterilisation wurde. Die bis dahin im Foyer befindliche Galerie der Lehrstuhlinhaber wechselte im Zuge der Umgestaltung ihren Ort; die Portraits waren nunmehr im Hörsaal zu besichtigen.

Texttafeln informierten Studierende sowie Besucherinnen und Besucher über die Auseinandersetzung um die Geschichte der Psychiatrie und die Verbrechen im Nationalsozialismus. Die Galerie war im Zuge der Reproduktion der Portraits im Sinne der Ehrlichkeit und historischer Vollständigkeit entsprechend dem Beschluss des Beirats um alle Lehrstuhlinhaber ohne (bisherige) Auslassung der Zeit des Nationalsozialismus ergänzt worden.

Nach einigen Jahren wurde die Galerie der Klinikdirektoren durch Portraits von Ärztinnen und Ärzten ersetzt, die aus politischen und/oder "rassischen" Gründen nach 1933 entlassen und verfolgt wurden:

Die Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Neurologie wollen mit den Portraits der "Hörsaal-Galerie" Einzelschicksale verfolgter Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie – in einem weiteren Schritt der kommenden erneuten Umgestaltung – auch von Patientinnen und Patienten exemplarisch dokumentieren.

Sie zielen damit auf eine "Wissenschaft in Verantwortung" und verstehen die historische Information als Teil eines notwendigen und vielschichtigen Erinnerungs- und Vermittlungsgefüges, das auch in die gegenwärtige Psychiatrie und Neurologie und in die Öffentlichkeit hineinwirken soll.

(Text: Dr. Thomas Beddies, Institut für Geschichte der Medizin und Ethik der Medizin der CharitéUniversitätsmedizin Berlin)