Studium und Lehre an der Charité

Rund 7.000 Studierende sind für die Studiengänge der Medizinischen Fakultät der Charité – Universitätsmedizin Berlin eingeschrieben.

Die Studierenden haben an der Charité die Möglichkeit, sich in den Fachschaften und Gremien zu engagieren, um das Lehren und Lernen stetig weiterzuentwickeln. Meilensteine waren:

  • die Einführung des Reformstudiengangs Medizin 1999 und
  • des Modellstudiengangs Medizin 2010.

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GeDenkOrt.Charité: "Wissenschaft in Verantwortung" im Curriculum

"Wissenschaft in Verantwortung" soll in die Studiengänge an der Charité implementiert werden. Die Ärztinnen und Ärzte, Zahnärztinnen und Zahnärzte sowie die Absolventinnen und Absolventen der gesundheitswissenschaftlichen Studiengänge von morgen sollen auf einen Beruf voll ethischer Herausforderungen vorbereitet werden.

In einer Kombination aus Wahl- und Pflichtangeboten wird eine Auseinandersetzung der Studierenden über Fächergrenzen hinweg nicht nur mit der Wissenschaftsgeschichte der Charité, sondern auch mit aktuellen medizinethischen Fragestellungen und Themen aus dem Bereich Medical Humanities erfolgen.

Wo solche Formate bereits implementiert sind, ist geplant, sie gemeinsam mit den Lehrverantwortlichen und den Gremien der Fakultät zu labeln und zu systematisieren.

Die Verantwortlichen der Charité hoffen, dass sich viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Studierende aller Studiengänge der Charité an diesem Prozess beteiligen. Zudem sind Anregungen und Vorschläge sehr willkommen.

GeDenkOrt.Charité: Die studentische Initiative

Im Rahmen des Projekts "GeDenkOrt.Charité – Wissenschaft in Verantwortung" haben sich zum Wintersemester 2015/16 einige Studierende zusammengefunden, um sich mit dem Thema unter vielfältigen Perspektiven zu befassen. Betreut werden sie von Professor Schmiedebach, Inhaber der Stiftungsprofessur Medical Humanities.

Die studentische Initiative ist überzeugt, dass die Wahrnehmung von ärztlicher Verantwortung in der sozialen Rolle der Ärztin, des Arztes nicht erst mit dem Erhalt einer Approbation und dem Eintritt ins Berufsleben beginnt. Sie ist vielmehr als ein Prozess persönlicher Entwicklung zu verstehen. Die Diskussion und der Austausch mit Kommilitoninnen und Kommilitonnen sind dabei unerlässlich – hierfür soll ein adäquater Raum geschaffen werden.

Was macht die studentische Iniative?
Dabei werden verschiedenste unkonventionelle Möglichkeiten und Formate genutzt, um eigene Sichtweisen und Aspekte einer verantwortungsvollen, humanitären und selbstkritischen ärztlichen Grundhaltung zu erarbeiten und damit einen kleinen Beitrag zum öffentlichen Diskurs zu leisten.
Die Studierenden der Initiative erarbeiten zum Beispiel Biographien zu einzelnen Ärztinnen und Ärzten, Hochschullehrerinnen und Hochschullehrern sowie Patientinnen und Patienten. Warum? Um anhand dieser Schicksale paradigmatisch die Grenzen und das Abgleiten in eine menschenverachtende Medizin darzulegen und zu erörtern.

Welche Kooperationen gibt es?
Weiterhin lassen sich die Studierenden aber auch auf kritisch-reflektierende Überlegungen zu grundsätzlichen Krankheitskonzepten im Spannungsfeld normativer und empirischer Aspekte ein. Zudem sind interaktive Theateraufführungen auf dem Campus geplant, die eine kreative Form der Auseinandersetzung mit historischen Begebenheiten und aktuellen Fragestellungen ermöglichen.In diesem Rahmen sind sowohl Kooperationen mit bereits bestehenden Gruppen wie beispielsweise der Theater-AG der Charité als auch mit Studierenden anderer Fachrichtungen geplant. Außerdem soll ein Lesekreis ins Leben gerufen werden. Er soll jenseits von naturwissenschaftlicher, medizinischer Fachliteratur und Paperwork die Gelegenheit bieten, wissenschaftstheoretische und ethische Fragestellungen sowie deren mögliche Implikationen für das ärztliche Denken und Handeln zu diskutieren.

Wann treffen sich die Studierenden?
Die Arbeitsgruppe zum Projekt "GeDenkOrt.Charité – Wissenschaft in Verantwortung" steht allen Medizinstudierenden und Studierenden verwandter Fächer offen: Neue Interessentinnen und Interessenten sind stets willkommen. Die Treffen finden im zweiwöchentlichen Rhythmus statt.


Professur für Medical Humanities

Die Professur für Medical Humanities an der Charité Berlin soll die vielfältigen Herausforderungen einer "Wissenschaft in Verantwortung" thematisieren und das Bewusstsein für verantwortungsvolles Handeln in medizinischer Praxis, Forschung und Lehre schärfen.

Anfang Oktober 2015 wurde sie als erste Professur für Medical Humanities in Deutschland eingerichtet und mit Heinz-Peter Schmiedebach besetzt. Sie ist als Stiftungsgastprofessur für zwei Jahre mit Unterstützung der Friede-Springer-Stiftung geschaffen worden. Die Aufgaben dieser Professur sind vielfältig.

Parcours und Showroom
Erstens sollen auf dem Gelände des Campus Mitte mithilfe einer Arbeitsgruppe, der auch Vertreterinnen und Vertreter der Universität der Künste angehören, verschiedene Möglichkeiten geschaffen werden, die dem Gedenken Raum bieten:

  • an die Verbrechen und
  • die Opfer der Medizin in der Vergangenheit und im Nationalsozialismus.

Diese Möglichkeiten sollen aber auch Informationen vermitteln und das Nachdenken über eine Wissenschaft in Verantwortung fördern.

Der Gedenkort wird bestehen aus:

  • einem dezentralen Parcours, der einzelne bemerkenswerte Stellen auf dem Gelände heraushebt, und
  • einem zentralen Ort, der ausführlichere Auseinandersetzungen mit den dezentral angesprochenen Fragen ermöglicht und besonders auch Fragen der gegenwärtigen und zukünftigen Medizin thematisiert.

Zudem sollen in einem eigenen Showroom die Geschehnisse der Vergangenheit durch virtuelle Aufbereitung dargestellt und die Fragen der Zukunft angesprochen werden. Dabei gewährleisten verschiedenste Formate der Information, Kommunikation und Diskussion eine dauernde Aktualisierung und Anpassung an neue Erkenntnisse.

Konzept der Medical Humanities
Zweitens wird dieser Prozess der Gestaltung des GeDenkOrtes von vielfältigen Aktivitäten zum Thema "Wissenschaft in Verantwortung" begleitet:

  • Vorlesungen,
  • Tagungen,
  • Theateraufführungen,
  • Filmvorführungen und
  • anderen Veranstaltungen.

Drittens geht es darum, Inhalte der Medical Humanities in der Lehre zu verankern: Das Konzept basiert auf der Erkenntnis, dass die Medizin selbst, wie auch Ärzte und Patienten in ihrem Umgang mit Krankheit und Gesundheit, von sozialen und kulturellen Komponenten bestimmt sind.

Die Auseinandersetzung über diese Einflussgrößen soll zudem humane und moralische Ressourcen im Umgang mit Krankheit und Gesundheit erschließen helfen. Das Bewusstmachen und Erörtern dieser Komponenten ist gemeinsam umzusetzen mit Vertreterinnen und Vertretern aus den Bereichen:

 

  • Ethik,
  • Kunstwissenschaften,
  • Geschichtswissenschaften,
  • Kulturwissenschaften,
  • Sozialwissenschaften und
  • Rechtswissenschaften.

Lehrveranstaltungen, die dieser Multiperspektivität Rechnung tragen, werden bereits angeboten.

Ansprechpartner

Prof. Dr. Heinz-Peter Schmiedebach

Stiftungsgastprofessor des Studiengangs Medical Humanities