Das Bild zeigt einen Teil des Vorplatzes Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Nervenheilkunde am Campus Charité Mitte.
GeDenkOrt.Charité: Vorplatz Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Nervenheilkunde am Campus Charité Mitte, Foto: Maren Bredereck / Charité

Über GeDenkOrt.Charité

Es ist der Universitätsmedizin Berlin wichtig, mit der Einrichtung eines „GeDenkOrt.Charité“ eine auch öffentlich wahrnehmbare Haltung zum Thema „Wissenschaft in Verantwortung“ einzunehmen.

Die akademische Medizin in Forschung, Lehre und Krankenversorgung soll darauf verpflichtet werden, sich mit der nationalsozialistischen Geschichte der Charité auseinanderzusetzen. Wer sich seiner Vergangenheit vergewissert, tut dies um der Gegenwart und Zukunft willen.

Sie befinden sich hier:

Hier geht es um nichts Geringeres als um die Würde des Menschen, die gestern, heute und morgen unantastbar sein sollte. Dies gilt auch und in besonderem Maße in der Medizin und in Krankenhäusern als Orte körperlicher wie emotionaler Verletzbarkeit.

Der „GeDenkOrt.Charite“ soll über Rituale hinausgehen und offene, andauernde und nachhaltige Diskurse zum Thema „Wissenschaft in Verantwortung“ ermöglichen.

Mit der Initiative „GeDenkOrt.Charité – Wissenschaft in Verantwortung“ verbinden sich folgende Ziele:

  • Geschichte: am authentischen Ort Information über Ereignisse und Zusammenhänge, die für die Medizin (im Nationalsozialismus) massives Versagen im Hinblick auf eine „Wissenschaft in Verantwortung“ belegen, zu vermitteln.
  • Gegenwart: ein Bekenntnis zur „Wissenschaft in Verantwortung“ gegenüber der nationalen und internationalen Öffentlichkeit abzulegen.
  • Zukunft: eine kreative und innovative Auseinandersetzung der Studierenden und der jungen Ärztinnen und Ärzte mit den Anforderungen einer „Wissenschaft in Verantwortung“ und ihren potentiellen Gefährdungszonen zu provozieren.

Literatur und Links

Für diejenigen, die sich vertieft mit dem Thema beschäftigen wollen, haben wir Literaturempfehlungen und Verlinkungen auf thematisch weiterführende Internetseiten zusammengestellt.

Die Auswahl der Lektüreempfehlung folgt diesen Prämissen:

  • Literatur zu einzelnen Personen und Disziplinen wurde nicht berücksichtigt.
  • Wenige allgemeinere Darstellungen wurden aufgenommen, um Fakultät und Charité als Teil der Universität, des Wissenschaftsorts Berlin und der allgemeinen Indienstnahme von Gesundheitswesen und Ärzteschaft im Nationalsozialismus erfassen zu können.

Literaturempfehlungen: Berliner Medizinische Fakultät und Charité im Nationalsozialismus (Stand: November 2018)

Allgemeines und Überblicke

  • Die Charité im Dritten Reich. Hg. von Sabine Schleiermacher und Udo Schagen. Paderborn 2008.
  • " es soll das Haus die Charité heißen". Kontinuitäten, Brüche, Abbrüche sowie Neuanfänge in der 300-jährigen Geschichte der Medizinischen Fakultät (Charité) der Berliner Universität, Bd. 1, von Heinz David. Hamburg 2004.
  • 1933–1945: Unter dem Hakenkreuz von Udo Schagen und Sabine Schleiermacher. In: Johanna Bleker, Volker Hess (Hg.), Die Charité. Geschichte(n) eines Krankenhauses. Berlin 2010, S. 169–187.

"Zerstörte Vielfalt": Entlassung, Verfolgung und Vertreibung

  • Akademischer Exodus. Die Vertreibung von Hochschullehrern aus den Universitäten Berlin, Frankfurt am Main, Greifswald und Halle 1933 – 1945. Von Sven Kinas. Heidelberg 2018.
  • Vertreibungen im Umgestaltungsprozess der Medizinischen Fakultäten an deutschen Universitäten im ‚Dritten Reich von Ursula Ferdinand. In: Jüdische Ärztinnen und Ärzte im Nationalsozialismus. Entrechtung, Vertreibung, Ermordung Hg. Beddies, Thomas; Doetz, Susanne, Kopke, Christoph. Berlin 2014, S. 117-148.
  • Massenentlassungen und Emigration von Sven Kinas. In: Tenorth, Heinz-Elmar, Michael Grüttner (Hg.): Geschichte der Universität Unter den Linden Bd. 2: Die Berliner Universität zwischen den Weltkriegen 1918–1945. Berlin 2012, S. 325–403.
  • Hochschulpolitik im Wechsel politischer Systeme: Akteure, Zielsetzungen, Konsequenzen. Der politische Systemwechsel von 1933 und seine Auswirkungen auf die Hochschulpolitik von Johannes Vossen. In: Sabine Schleiermacher und Udo Schagen (Hg.), Wissenschaft macht Politik. Hochschule in den politischen Systembrüchen 1933 und 1945. Stuttgart 2009, S. 19–28.
  • Exodus von Wissenschaften aus Berlin. Fragestellungen – Ergebnisse – Desiderate. Entwicklungen vor und nach 1933. In: Wolfram Fischer; Hierholzer, Klaus; Hubenstorf, Michael; Walther, Peter Th.; Winau, Rolf (Hg.) Berlin; New York 1994.
  • Zwangsarbeiter- und Kriegsgefangeneneinsatz an der Berliner Universität 1933 bis 1945 von Steffen Rückl, Winfried Schultze, Karl-Heinz Noack: In: Jahr, Christoph (Hg.), Schaarschmidt, Rebecca (Mitarb.), Die Berliner Universität in der NS-Zeit. Bd. I: Strukturen und Personen. Stuttgart 2005, S. 205–225.

Leitideen der NS-Medizin

  • Rassenhygiene und Rassenanthropologie an der Universität Berlin von Sabine Schleiermacher. In: Christoph Jahr (Hg.), Rebecca Schaarschmidt (Mitarb.), Die Berliner Universität in der NS-Zeit. Band I: Strukturen und Personen. Stuttgart 2005, S. 71–88.
  • Die Belasteten: "Euthanasie" 1939–1945. Eine Gesellschaftsgeschichte von Götz Aly. Frankfurt am Main 2013
  • Alltag und Praxis der Zwangssterilisation. Die Berliner Universitätsfrauenklinik unter Walter Stoeckel 1942-1944 von Susanne Doetz. Berlin 2010.
  • Hochschulmediziner beteiligten sich an den Verbrechen des Nationalsozialismus – auch Vertreter der Charité von Udo Schagen. "Der Tagesspiegel", 14.04.2003, Sonderbeilage Humboldt-Universität.
  • Eugenic Concerns, Scientific Practices: International Relations and National Adaptations in the Establishment of Psychiatric Genetics in Germany, Britain, the USA, and Scandinavia 1910-1960 von Volker Roelcke. In: Baltic Eugenics, Bio-Politics, Race and Nation in Interwar Estonia, Latvia and Lithuania 1918-1940. Eds. Björn M. Felder & Paul J. Weindling. Amsterdam 2013, p. 301-333.

Nach Kriegsende

  • Medizin ohne Menschlichkeit. Dokumente des Nürnberger Ärzteprozesses Hg. von Mitscherlich, Alexander; Mielke, Fred. Frankfurt a.M., zuletzt 1995.
  • Medizinische Forschung als Pseudowissenschaft. Selbstreinigungsrituale der Medizin nach dem Ärzteprozess von Sabine Schleiermacher und Udo Schagen. In: Veronika Lipphardt, Dirk Rupnow, Jens Thiel, Christina Wessely (Hrsg.), Pseudowissenschaft. Konzeptionen von Nicht-Wissenschaftlichkeit in der Wissenschafts-geschichte. Frankfurt/M. 2008, S. 251–278.
  • Die Universitäre Medizin nach dem zweiten Weltkrieg. Institutionelle und persönliche Strategien im Umgang mit der Vergangenheit von Sabine Schleiermacher. In: Oehler-Klein, Sigrid u. Roelcke, Volker (Hg.), unter Mitarbeit von Kornelia Grundmann und Sabine Schleiermacher: Vergangenheitspolitik in der universitären Medizin nach 1945. Institutionelle und individuelle Strategien im Umgang mit dem Nationalsozialismus. Stuttgart 2007, S. 21-42
  • Institutionelle und individuelle Strategien im Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit an der Medizinischen Fakultät der Berliner Universität in den Jahren von 1945 bis 1949 von Andreas Malycha. In: Oehler-Klein, Sigrid u. Roelcke, Volker (Hg.), unter Mitarbeit von Kornelia Grundmann und Sabine Schleiermacher: Vergangenheitspolitik in der universitären Medizin nach 1945. Institutionelle und individuelle Strategien im Umgang mit dem Nationalsozialismus. Stuttgart 2007, S. 147–168.
  • Das Selbstbild Berliner medizinischer Hochschullehrer in der SBZ und ihre Verantwortung für die Universität im Nationalsozialismus von Udo Schagen. In: Oehler-Klein, Sigrid; Roelcke, Volker (Hg.), Vergangenheitspolitik in der universitären Medizin nach 1945. Institutionelle und individuelle Strategien im Umgang mit dem Nationalsozialismus. Stuttgart 2007, S. 121–144.