"mahnen – gedenken – erinnern": ein Expertengespräch zu "Medizin im Nationalsozialismus und Charité" am 15.2.2013

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Am 15. Februar 2013 trafen sich Experten zum Thema "Wissenschaft in Verantwortung" im Rahmen des damaligen Berliner Themenjahres "Zerstörte Vielfalt".

Hintergrund: Vertreter einer "verantwortungsfreien" Wissenschaft, einer "willfährigen" und "enthumanisierten" Medizin beteiligten sich zwischen 1933 und 1945 bereitwillig und aktiv an der Ausbildung und Fortentwicklung eines verbrecherischen Systems, das als "biopolitische Entwicklungsdiktatur" (H.-W. Schmuhl) auf die aktive Mitarbeit von Medizin und "Biowissenschaften" angewiesen war. Als Resultat andauernder Forschungen ist festzuhalten, dass auch Vertreter der großen Berliner Medizinischen Fakultät sich umfassend und bereitwillig für Ziele und Maßnahmen des Nazi-Regimes in Anspruch nehmen ließen und damit auch ihre Kliniken und Institute in der Charité und in der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Tatorten einer menschenverachtenden Rassen-, Leistungs- und Vernichtungsmedizin machten.

Die Berliner Universitätsmedizin setzt sich seit Längerem mit der Geschichte der Charité und der Medizinischen Fakultät der Friedrich-Wilhelms-Universität im Nationalsozialismus auseinander. Von diesem Prozess der historisch-wissenschaftlichen Aufarbeitung zeugen Forschungsprojekte, Vorlesungsreihen und Publikationen, die sich Themen widmen wie

  • Entlassungen und Vertreibungen politisch und/oder rassisch unliebsamer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
  • Maßnahmen gegen politisch und/oder rassisch unliebsame Studentinnen und Studenten
  • Zwangssterilisationen aus eugenischer Indikation
  • verbrecherische Menschenversuche
  • Behandlung, aber auch Einsatz von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern in der Charité und an den Berliner Universitätskliniken
  • Beteiligung an der Konzeption, Popularisierung und Exekution der nationalsozialistischen Rassen- und Gesundheitspolitik sowie
  • Beziehungen führender Vertreter der Medizinischen Fakultät und Klinikleiter der Charité zu Funktionsträgern des nationalsozialistischen Partei-, Regierungs- und Verwaltungsapparats.

Ausdrückliches Ziel der Informations-, Erinnerungs- und Gedenkarbeit an der Charité soll es sein, vor dem Hintergrund der Medizinverbrechen während des Nationalssozialismus auf die jederzeit auch heute bestehenden ethischen Gefährdungen der Human-, Technik-, und Biowissenschaften hinzuweisen und daher die Notwendigkeit eines kontinuierlichen Diskurses über eine Lebenswissenschaft in ethisch-moralischer Verantwortung deutlich zu machen.